Geben und Nehmen

Foto: http://www.sein.de

Das ganze Leben ist ein Geben und Nehmen

Ein demütiges Abgeben vom eigenen Kuchen
ein dankbares Annehmen und davon Versuchen

Ein Aufgeben, wenn man kein Land mehr sieht
ein Aufnehmen, weil jeder eine helfende Hand verdient

Ein Weitergeben von oben kommender Befehle
ein “In-Kauf-Nehmen” von Schäden an Leib und Seele

Ein Angeben mit Reichtum und besserem Wissen
ein Zunehmen einer Welt mit tiefen Rissen

Ein Ergeben, wenn man die Angst im Nacken spürt
ein Atemzug-Nehmen, weil das zu mehr Entspannung führt

Ein Hingeben, denn Liebe fängt mit schönen Dingen an
ein Hinnehmen, dass nicht immer alles gelingen kann

Ein Achtgeben, denn nicht alles haben wir glasklar bedacht
ein Festnehmen, wenn jemand sich strafbar macht

Ein “klein-Beigeben” oder ein Behaupten bei Streitigkeiten
ein auf „keine leichte Schulter“-Nehmen bei Meinungsverschiedenheiten

Ein Zeit geben und sich nicht unter Zugzwang setzen lassen
ein Ziel vornehmen, um Chancen für die Zukunft nicht zu verpassen

Ein Nachgeben, weil das manchmal klüger ist
ein Zurücknehmen, wenn man sich im Zorn mal vergisst

Ein Zugeben, etwas falsch gemacht zu haben
ein ehrliches Zeitnehmen für andere und ihre Fragen

Ein Vergeben, denn nur daraus kann ein Neuanfang entsteh’n
ein Abstandnehmen, wenn es besser ist, getrennte Wege zu geh’n

Vom Kümmern und Verkümmern

Machen wir uns nichts vor: Scheitern ist scheiße! Das mag derb klingen, trifft es aber auf den Punkt. Niemand will verlieren. Wir wollen Erfolg haben mit dem, was wir tun, Anerkennung bekommen, ja, wir wollen gewinnen. Das fängt schon in Kindertagen an, zum Beispiel beim „Mensch-ärgere-dich-nicht-Spielen“.
(Foto: http://www.t3n.de)

Wie soll man verstehen, dass man es völlig entspannt hinnehmen muss, wenn man nach einer kompletten Runde auf dem Spielbrett kurz vorm Einzug in sein Häuschen zum wiederholten Mal rausgeschmissen und an den Startpunkt zurückgeschickt wird, während andere das Glück haben, unbehelligt in ihr Häuschen durchzuziehen.

Alles gleicht sich irgendwann aus. Möchte man meinen. Und vielleicht ist das tatsächlich so. Aber im Moment des Scheiterns empfinden wir Minderwertigkeit und Frust. Klar, schon als Kinder müssen wir lernen, mit diesen starken negativen Gefühlen umzugehen, aber es ändert nichts an der Tatsache, dass Gewinnen viel geiler ist. Genau wie der Geiz. Warum der allerdings geil sein soll, habe ich bis heute nicht verstanden. Aber in der Werbung zieht es, denn viele Menschen wollen Schnäppchen machen. Sie wollen für ein gutes Angebot möglichst wenig Geld bezahlen, dann empfinden viele eine stille Genugtuung, vielleicht als Ausgleich dafür, dass sie sich vorher manches Mal über den Tisch gezogen fühlten. Dabei gibt es gar keine Schnäppchen. Und Geiz ist alles andere als geil. Sicherlich sollte man Geld nicht mit beiden Händen aus dem Fenster werfen und sorgsam damit umgehen, aber es gibt doch nichts Schöneres unter Menschen, als mitfühlend und großzügig zu sein. Geiz ist noch viel schlimmer als Sparsamkeit, denn Geiz impliziert, jemand anderem etwas, das man selbst hat, nicht zu gönnen.

Und gönnerhaft können wir nur dann sein, wenn wir frei sind von Neid. Jemandem etwas von Herzen zu gönnen heißt nicht: „Da nimm es, denn ich brauche es nicht“. Der Hintergrund des Satzes wird erst dann großmütig, wenn wir etwas auch gern gehabt hätten, aber darauf verzichten, weil es in den Händen einer anderen Person besser aufgehoben ist.

Etwas in die Hände gelegt zu bekommen, heißt aber auch, Verantwortung dafür zu übernehmen und sich darum zu kümmern, sonst verkommt es. Wenn man eine Blume nicht angemessen gießt und sie ihren Vorlieben entsprechend ans Licht oder eher an einen schattigeren Platz stellt, dann verkümmert sie. Momentan, das muss ich zugeben, fühle ich mich ein bisschen wie eine solche Blume. Ich kann mich nicht so entfalten wie ich es will. Vielleicht bin ich ja auch eine ziemlich ungeduldige Blume, wer weiß. Zwar sind Menschen um mich herum, die mich von Zeit zu Zeit pflegen, mir Wasser geben und mir gut zureden, aber ich weiß nicht so recht, wo ich Wurzeln schlagen soll. Immer wieder schieben sich dunkle Wolken vor die Sonne, die mir das Licht zum Wachsen nehmen. Dann lasse ich meine Blätter hängen und hoffe auf besseres Wetter…

…und ich weiß ganz genau: Nach jedem Winter kommt wieder ein Frühling 🙂

Elefant

Manchmal wäre es schon sehr fein
so groß und stark wie ein Elefant zu sein
Ich könnte Lasten auf meine Schultern nehmen
ungeachtet belastender Alltagsthemen
Ich hätte eine derart dicke Haut
die sich niemand zu verletzen traut
obendrein hätt’ ich einen behaltsamen Bauch
damit ich nichts mehr zu vergessen brauch’
und vielleicht würde ich ganz alt…

…doch irgendwas in mir sagt „Halt“
Was wäre denn umgekehrt
dieser Tausch im Grunde wert?
Vielleicht lägen Jäger im Hinterhalt
und ich lebte bloß so lange, bis es knallt
Was würd’ es mir nützen, ein Elefant zu sein
und Gewichte zu schleppen tagaus, tagein?
Mutig wär’ ich erst recht nicht, wie man sagt
wenn mir ‘ne winzige Maus riesige Angst einjagt

Dann bleib’ ich doch lieber so wie ich bin
und nehme meine Fehler und Schwächen hin
werde akzeptiert mit meinen Ecken und Kanten
und überlasse das Elefantsein den Elefanten

elefant Foto: Christoph Wilhelms

Sei anders…

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Bei einem Spaziergang habe ich vor einigen Tagen in einem nahegelegenen Wald eine interessante Entdeckung gemacht. Ich sah eine Buche inmitten eines Kiefernbestands, die nicht allzu hoch gewachsen, aber dafür mit einer imposanten und weit ausladenden Krone ausgestattet war. Dieser vergleichsweise junge Baum unter all den hoch und sehr geradlinig gewachsenen Kiefern beeindruckte mich. Er hatte es geschafft, sich in dieser Monokultur zu behaupten und anders als all die anderen zu sein. Er war sich und seiner Wuchsart treu geblieben, hatte sogar schon in jungen Jahren eine solch breite Krone entwickelt, wie ich es selten bei einer Buche gesehen habe.

Ich fragte mich, warum ein solch unscheinbarer Baum dazu in der Lage war, mich so zu beeindrucken und ob ich mir an ihm nicht ein Beispiel nehmen sollte. Meine Überlegung ging sogar noch weiter. Warum nahmen sich nicht viel mehr Menschen daran ein Beispiel? Häufig passen wir uns an, laufen mit der Masse mit und haben keine eigene Meinung, die wir mit Respekt vor anderen Meinungen vertreten. Ich bitte darum, mich nicht falsch zu verstehen. Es geht mir nicht darum, ständig GEGEN alles Mögliche zu sein. Es geht mir darum, auch mal den Mut zu haben, ANDERS zu sein.

Diese Buche machte es mir vor. Sie ließ sich von den mächtigen Kiefern in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft nicht in die Knie zwingen, breitete ihre Äste sogar zwischen ihnen aus, als wolle sie ein Zeichen setzen, dass es möglich ist, auch mit völlig unterschiedlichen Lebensentwürfen friedlich miteinander zu existieren. Das ist es, dachte ich in diesem Moment: Sei anders!

Dann jedoch begann ich zu zweifeln. Vielleicht hatte diese Buche an ihrem Standort gar keine Chance, groß zu werden. Vielleicht war die breit ausladende Krone nur aus reiner Verzweiflung entstanden, von überall her wenigstens ein bisschen Licht zu bekommen. Plötzlich tat mir diese Buche leid. Vielleicht kämpfte sie vergeblich und sie würde irgendwann zwischen all den geraden Kiefernstämmen verkümmern. Mit leicht hängendem Kopf ging ich weiter, doch wenig später wurde ich eines Besseren belehrt, denn wiederum zwischen ganz vielen Kiefern sah ich eine andere, wesentlich ältere Buche und die musste ich ebenfalls fotografieren, denn ihr Wuchs war nicht weniger beeindruckend.

img_20170119_142030Diese Buche hatte aus einer mächtigen Wurzel mehrere Stämme entwickelt, die sich in alle Richtungen verzweigten und gen Himmel strebten. Sie hatte es geschafft, sich gegen die schiere Übermacht der immer noch sehr geradlinigen Kiefern in ihrer Umgebung zu behaupten und es sah nach einem sehr friedlichen Nebeneinander aus. Diese Buche war nun aber gar nicht mehr unscheinbar. Sie gab sich deutlich zu erkennen. Zwar fehlte ihr ein einzelner, massiver Stamm und es wirkte, als wachse ihre Krone direkt aus dem Boden, doch damit stand sie für den Gegenentwurf zum Angepasstsein. Sie war ganz und gar nicht geradlinig. Dieser Baum wirkte verspielt und gleichzeitig selbstbewusst, nicht dominant, aber auch keineswegs unterwürfig. Er war ein wichtiger Teil der Gemeinschaft und brachte dies klar zum Ausdruck.

Fast wollte ich sagen: Von diesem Baum könnten wir uns als Menschen mal eine Scheibe abschneiden, aber das sollten wir dann doch besser nicht tun, denn wir würden ihn damit zerstören. Für’s Erste würde es reichen, unser Verhalten zu ändern: trotz schlechter Stimmung in großen Teilen der Gesellschaft optimistisch zu bleiben, unsere Grundhaltung anderen gegenüber zu überdenken und nicht opportunistisch einer Strömung zu folgen.

Wir sollten mehr Buchen in Kiefernwäldern suchen.

Das Zitronen-Lied

dreamstime_com-robert-florianIn den Weihnachtsferien habe ich zusammen mit meinem Sohn Lucas in einer albernen Stimmung – aber auch einem höchst kreativen Moment – den folgenden neuen Text zum Song “Keine Maschine” von Tim Bendzko geschrieben. Das hoffentlich zum Schmunzeln anregende Ergebnis (mit Gitarrengriffen) soll ein Plädoyer dafür sein, (auch mal) sauer sein zu dürfen…

Abb.: Robert Florian, dreamstime.com

Um etwas mehr Abwechslung in den Refrain zu bringen, kann die erste Zeile gern variiert werden, z.B. “Ich bin keine Mandarine” oder “Ich bin keine Clementine”…

Keine Apfelsine

Em                          D              C – D
Einfach so rumliegen ist keine Option

Em                                                      D                                   C
ich will gegessen werden, doch ich bin sauer, das weiß ich schon

C                                                           D                                            Em – G
ich will hier nicht einfach vergammeln, man muss mich wenigstens probier’n

C
ich bräuchte etwas mehr Süße

D                                         Em
doch das wird nicht funktionier’n

Refrain:

Em
Ich bin keine Apfelsine

D                                     C
ich bin gelb und nicht orange

Em                        D                                 C
und ich bin saftig, wenn man mich zermanscht

G                                               D
Ich bin eine Frucht mit viel Vitaminen (2. Strophe: …mit ziemlich viel Säure)

Em                      C
mit Kernen oder nicht

G
wer meinen Saft trinkt

D                                     C
verzieht glücklich das Gesicht

(Gitarrengriffe wie oben)

Man kann doch so viel schöne Dinge aus mir machen
süß-saure Soßen, Cocktails und viele andere Sachen
ich lieg hier rum und kann mich nicht bewegen
setz’ langsam Schimmel an, beginn’ mich vor mir selbst zu ekeln

(Refrain s. oben)

…verzieht glücklich das G e s i c h t
‘was Bess’res gibt es n i c h t
du fühlst dich total erfrischt
du fühlst dich total erfrischt

(Schluss: Em – D- C – G)

Licht in der Dunkelheit

Heute möchte ich etwas tun, das ich in meinem Blog noch nie gemacht habe. Ich möchte einen Text einer anderen Person veröffentlichen, einen Text, dessen Vortrag am vergangenen Sonntag während der Friedenslichtfeier in der Kirche in Trennfurt (bei Klingenberg) mich sehr bewegt hat.

Wie seltsam alles ist im Dunkeln, Alles sieht anders aus. Alles fühlt sich anders an. – Vielleicht kann ich zur Ruhe kommen und kann mich entspannen und kann meinen Gedanken folgen. Gibt es Dunkles in mir?

Vielleicht werde ich unruhig, weil Dunkles in meinem Inneren auftaucht. Düstere Vorstellungen, Ängste, dunkle Schatten, die sich breit machen oder wiederkehrende düstere Grübeleien erschrecken mich.

Manchmal gibt es die Dunkelheit mitten am Tag, mitten am hellen Tag in meinem Innern.

  • wenn ich Angst habe und kein Wort herausbringe.
  • wenn mein Kopf leer ist und mein Herz rast, weil ich nicht weiß wie es weitergehen kann.
  • wenn ich unsicher bin, rot werde oder einen Blick nicht erwidern kann
  • wenn ich vor Wut oder Enttäuschung kaum Luft kriege

Wie unendlich lang und bedrückend kann diese Zeit sein.

Dunkelheit nimmt mir den Blick, für das was ich kann.

Sie nimmt mir den Blick für den, der mich liebt.

Sie nimmt mir den Blick für all das Gute, das mir geschenkt wurde.

Sie nimmt mir den Blick, für die vielen glücklichen Momente in meinem Leben.

Dann wünsche ich mir wieder klar zu sehen und mein Leben zu begreifen. Ich sehne mich nach einem kleinen Lichtblick in meinem Leben. Ich sehne mich nach strahlenden Momenten im Leben. Ich sehne mich nach Frieden, nach innerer Ruhe.

sein-deQuelle: http://www.sein.de

Die Dunkelheit steht für das Dunkle in unserer Zeit: Es gibt sie – die zu nehmenden, verlassenen Männer, Frauen und Kinder, die vereinsamten, alten Menschen, um die sich schon am Tag die Nacht ausbreitet.

Und auch das gibt es: Unzufriedenheit, Unstimmigkeiten, mangelnde Versöhnungsbereitschaft, schwelende Konflikte und zunehmende Lieblosigkeit in allen Bereichen des Lebens in Familie, Berufsleben, Verein und Gemeinde. Leben wir in dunklen Zeiten?

Kann es sein, dass die Dunkelheit in der Welt zunimmt? Kann es sein, dass immer mehr Mauern gebaut werden? Mauern der Bosheit und des Hasses, Mauern der Kälte und der Rücksichtslosigkeit, Mauern der Gefühlslosigkeit und Gleichgültigkeit. Kann es sein, dass immer mehr Wege zueinander, schwieriger, gefährlicher oder sogar unmöglich werden?

Wir erleben in diesem Jahr eine große Unruhe, einen Umbruch, der von vielen Ängsten begleitet ist. In die gesellschaftliche Debatte hat sich ein hoher Ton der Erregung gemischt. Sprachliche Grenzen des Anstands werden überschritten.

Einige setzen gar auf Gewalt oder nehmen sie zumindest billigend in Kauf.

Krieg und Hunger kommen bis an die Tore Europas: Während die einen nach wie vor an die Vernunft und Menschlichkeit appellieren, hat für die anderen ihre eigene Sicherheit längst ein derartiges Gewicht gewonnen, dass andere Menschen und deren Schicksal aus dem Blick geraten. Aus all den knurrenden können jederzeit beißende Hunde werden.

prayer - candle in handsQuelle: http://www.singerkreis.de
Ich will es versuchen
die Herausforderung jeden Tag neu – anzunehmen
Ruhe zu bewahren – trotz provozierender Reden
Gelassen zu reagieren – trotz aggressiver Umgangssprache
Hoffnungsvoll zu bleiben trotz bitterer und tragischer Umstände
Wach zu sein – trotz gelangweilter Ausdrucksart
Ich weiß es ist harte Arbeit, die Hoffnung wach zu halten
Und in Liebe erneut aufeinander zuzugehen
Es ist harte Arbeit, den ersten Schritt zum Frieden zu wagen
und das Vertrauen in die anderen wach zu halten.
Es ist harte Arbeit – es ist manchmal wie ein riesiger Berg.
Doch der Hoffnung, der Liebe, der Sehnsucht nach Frieden
will ich in meinem Leben Raum geben

Möge der Frieden in uns Raum finden, jetzt in den Tagen vor Weihnachten und dem neuen Jahr. Möge er uns am Morgen und am Abend ein Lächeln auf unser müdes Gesicht zaubern. Mögen tröstende und zuversichtliche Gedanken in uns von innen her leise wachsen. Möge unser Herz sich breit machen zu einem Haus des Friedens.

(Gabriele Spahn-Sauer)

Geh (auf)recht durchs Leben!

badische-zeitung-deInsbesondere in dieser Zeit, so kurz vor Weihnachten, wenn wir in Spendenaufrufen – und in den Nachrichten sowieso – mit der Armut und dem Leid auf dieser Welt konfrontiert werden, stellen wir fest, wie ungerecht das Leben ist. Die einen haben viel, häufen sogar meist immer mehr an, und die anderen haben wenig. Ich möchte hier nicht wieder mit dem Thema anfangen, welche der beiden Seiten glücklicher ist. Das kann man sicher nicht pauschalisieren.
(Bildquelle: badische-zeitung.de)

Mir geht es um die Frage nach dem Begriff der Gerechtigkeit an sich. Was ist „gerecht“ oder was empfinden wir als „gerecht“? Nach Gerichtsverhandlungen hört man manchmal den Satz: „Der Angeklagte hat seine gerechte Strafe bekommen“. Stimmt das? Ist die Rechtsprechung so objektiv wie sie es vorzugeben scheint? Ich selbst habe immer wieder erlebt, dass es zwei ganz unterschiedliche Paar Schuhe sind, Recht zu haben oder Recht zu bekommen. Ein Anwalt sagte einst „Vor Gericht befindet man sich auf hoher See.“

Nun befinden wir uns ja üblicherweise mitten im Leben und nicht in einem Gerichtssaal. Allgemein könnte man sagen: Die Menschen werden niemals gleich viel besitzen und gleich viel zu essen haben. Das kann also per se schon mal nicht gerecht sein. Doch wir können nicht einfordern, was es nicht geben kann. Alle Menschen sind unterschiedlich. Wir können also nicht alles gleich gerecht machen. Trotzdem habe ich einen sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Ich möchte nicht wahrhaben, dass sich die einen – meist auf Kosten der anderen – ständig nur bereichern. Das ist weder gut im gesellschaftlichen noch im privaten Kontext. Doch was kann man dagegen tun? Wie können wir die kleine Welt um uns herum ein wenig gerechter machen? Sicherlich wird auch das eher subjektiv sein, aber es ist zumindest ein Anfang.

Zunächst müssten wir bei uns selbst anfangen und aufhören, immer alles als sooo ungerecht zu empfinden. Im Leben gleicht sich alles irgendwann aus. Manchmal gewinnt man und manchmal verliert man eben. Mit der entspannenden Wirkung dieses Wissens werden wir Situationen in Beruf und Privatleben leichter ertragen. Mir gelingt es auch nicht jedes Mal, gelassen zu bleiben und kleine oder größere Niederlagen einfach wegzustecken, aber ich arbeite daran, dass es besser wird.
Gestern beispielsweise war ich in Gedanken. Gar nicht gut, wenn man gerade Auto fährt. Ich empfand es als sehr ungerecht, beruflich noch immer nicht da zu stehen, wo ich gern sein wollte und nahezu jedem Euro quasi hinterherrennen zu müssen, während andere bei ähnlicher Leistung viel mehr Geld verdienten. Auch einige private Dinge gingen mir durch den Kopf. Zudem kam ich gerade vom Steuerberater und es galt, möglichst schnell fehlende Unterlagen beizubringen, um die Kosten steuerlich geltend machen zu können. An einer Kreuzung übersah ich ein von links kommendes Auto, dessen Fahrer geistesgegenwärtig reagierte und mir reflexartig auswich, als ich schon im Begriff war, ihm in die Quere zu fahren. Im letzten Moment konnte ich bremsen und war selbst total erschrocken. Mir wurde klar, dass ein Unfall für mich sehr teuer geworden wäre, denn ich hatte dem anderen die Vorfahrt genommen. Die Kosten und der ganze Ärger waren mir in diesem Moment erspart geblieben. Nachdem der erste Frust über mich selbst und meine Unachtsamkeit verflogen war, konnte ich mich sogar über diese glückliche Fügung freuen.

philoskop-orgQuelle:www.philoskop.org

Jeder von uns sollte besondere Momente – auch wenn es nur die kleinen Dinge im Leben sind – wieder mehr zu schätzen wissen und sich nicht selbst ständig in den Vordergrund schieben. Das wird auch das Zusammenleben mit anderen schöner und vielleicht sogar etwas gerechter machen. Geh (auf)recht durchs Leben…