Einfach mal die Perspektive wechseln

Wer schaut nicht ab und an mal zum Himmel hinauf und erkennt irgendetwas in der Form von Wolken. Kürzlich sah ich zum Beispiel einen Fisch, der sein Maul weit aufriss, um einen anderen, kleinen Fisch zu verschlucken. Ich habe später versucht, dieses Motiv zu zeichnen und das kam dabei heraus:

Das sieht nicht gerade aus, wie die Form von Wolken? Mag sein, aber es hat auch seinen Grund, denn als ich so auf dieses Wolkenbild schaute, veränderte sich die Form des kleinen Fisches, der von dem großen Verfolger fast verspeist wurde. Allmählich sah dieser gejagte Fisch aus wie eine Tänzerin, die am Strand vergnügt und mit wehendem Röckchen hüpfte, und dann unvermittelt in die links und rechts aufragenden Wellen sprang. Man musste dazu bloß die Perspektive wechseln und dasselbe Bild um 90 Grad drehen:

Faszinierend, oder? Manchmal frage ich mich, warum es eigentlich so schwer ist, die Perspektive zu wechseln. Wieso verharren wir ganz häufig in unseren Denkmustern? Dann werden Sätze gesagt wie: “Du willst mich einfach nicht verstehen!” Dabei wäre vieles leichter, wenn wir uns mal für einen Moment in die Lage oder die Gefühlswelt des oder der anderen hineinversetzen würden. “Wie würde ich mich fühlen, wenn ich du wäre?” Das nennt man Empathie. Viele Menschen sind dazu nicht (mehr) fähig. Sie sehen nur sich selbst, ja sie kreisen nur noch um sich selbst. Sehr schade, denn als Kinder – eine als “normal” bezeichnete Entwicklung vorausgetzt – hatten wir alle diese Fähigkeit. Wir haben es bloß irgendwie verlernt oder im Laufe der Zeit vergessen.

Foto:
liebe-das-ganze.blogspot.com

 

 

 

Heutzutage haben wir leider die Tendenz, und da nehme ich mich nicht aus, die Dinge – damit meine ich nicht nur die Zukunft, sondern auch das ganz Alltägliche um uns herum – allzu schwarz zu sehen. Wir geben uns selbst keine Chance, weil wir denken, keine Chance zu haben. Dann geben wir lieber gleich auf. Bei Beurteilungen fehlt uns nicht selten die Sensibilität. Oft bleibt nur “schwarz oder weiß” und wir sehen das “Dazwischen” nicht. Wir fällen sofort ein Urteil und wägen nicht mehr ab, lassen uns keine Zeit mehr, sehen nicht die unzähligen Grautöne, die anfangen bunt zu schimmern, wenn wir sie von mehreren Seiten betrachten.

Was wir wirklich brauchen

In unzähligen Liedern, mit denen wir täglich wo und wie auch immer beschallt werden, geht es um “das Eine”, die Liebe. Es klingt so, als sei die Liebe das allerstärkste und wichtigste Gefühl im Leben. Aber ist Liebe wirklich ein Gefühl? Ist sie nicht vielmehr ein Zustand, der mehr oder weniger lange anhalten kann?

Abbildung: Schulbilder.org

 

Wir träumen davon, einen Menschen an unserer Seite zu haben, den wir ein Leben lang lieben. Forever in Love! Das wäre schön und schrecklich zugleich. Wir können nicht ständig bloß in Liebe berauscht sein. Genausowenig können wir ständig nur Glück haben. Liebe und Glück sind ganz dicht beieinander. Wir sind glücklich, wenn wir (frisch) verliebt sind, fühlen uns rundum wohl. Aber diese Phase geht irgendwann vorbei. Im Stress des Alltags müssen wir häufig um die Liebe unseres Partners und auch die Liebe zu uns selbst ringen, ja manchmal auch kämpfen. Dann gibt es laute Worte, Streit, gegenseitige Verletzungen. Ist das noch Liebe? Im Grunde schon, denn Liebe hat zwei Seiten: Sie ist die Energie, die wir brauchen, um uns wohl zu fühlen, sie ist Vertrauen und Hingabe. Doch Liebe ist manchmal auch ungeschminkt und ehrlich… und nicht selten tut es weh, mit seinen Fehlern und Schwächen schonungslos konfrontiert zu werden. Love hurts…

Ich behaupte jetzt mal, dass Liebe zwar unerlässlich ist, denn sie bereichert das Zusammenleben von Menschen, nicht nur von Paaren, auch von Familien und langjährigen Freunden – wenngleich das dann unterschiedliche Formen von Liebe sind – aber wir “brauchen” sie nicht. Wir hätten sie bloß immer wieder gern. Von Zeit zu Zeit eine Prise Liebe, und durchaus auch einen Schuss Sex, dann schmeckt uns das Leben. Was wir aber wirklich brauchen ist die Anerkennung durch andere und insbesondere durch unseren Partner, sofern wir einen haben. Die Anererkennung für das, was wir leisten, manchmal ganz offensichtlich und manchmal still und leise im Hintergrund. Aus diesem “Erkennen” saugen wir die Kraft weiterzumachen. Also sollten wir unserer nahestehenden Person oder den Personen diese Aufmerksamkeit auch schenken. Ein wirklich aus tiefstem Herzen ausgesprochenes Lob, keine Lobhudelei, einfach nur die Dankbarkeit für das Engagement des anderen, auch wenn es am Ende nicht immer so verläuft wie man es sich gewünscht hat (denn wir sind alle bloß Menschen) bewirkt kleine Wunder. Du wirst sehen…

Cropped shot of a young father giving his son a high-fivehttp://195.154.178.81/DATA/i_collage/pi/shoots/783329.jpg

Foto: gofeminin.de

Geben und Nehmen

Foto: http://www.sein.de

Das ganze Leben ist ein Geben und Nehmen

Ein demütiges Abgeben vom eigenen Kuchen
ein dankbares Annehmen und davon Versuchen

Ein Aufgeben, wenn man kein Land mehr sieht
ein Aufnehmen, weil jeder eine helfende Hand verdient

Ein Weitergeben von oben kommender Befehle
ein “In-Kauf-Nehmen” von Schäden an Leib und Seele

Ein Angeben mit Reichtum und besserem Wissen
ein Zunehmen einer Welt mit tiefen Rissen

Ein Ergeben, wenn man die Angst im Nacken spürt
ein Atemzug-Nehmen, weil das zu mehr Entspannung führt

Ein Hingeben, denn Liebe fängt mit schönen Dingen an
ein Hinnehmen, dass nicht immer alles gelingen kann

Ein Achtgeben, denn nicht alles haben wir glasklar bedacht
ein Festnehmen, wenn jemand sich strafbar macht

Ein “klein-Beigeben” oder ein Behaupten bei Streitigkeiten
ein auf „keine leichte Schulter“-Nehmen bei Meinungsverschiedenheiten

Ein Zeit geben und sich nicht unter Zugzwang setzen lassen
ein Ziel vornehmen, um Chancen für die Zukunft nicht zu verpassen

Ein Nachgeben, weil das manchmal klüger ist
ein Zurücknehmen, wenn man sich im Zorn mal vergisst

Ein Zugeben, etwas falsch gemacht zu haben
ein ehrliches Zeitnehmen für andere und ihre Fragen

Ein Vergeben, denn nur daraus kann ein Neuanfang entsteh’n
ein Abstandnehmen, wenn es besser ist, getrennte Wege zu geh’n

Vom Kümmern und Verkümmern

Machen wir uns nichts vor: Scheitern ist scheiße! Das mag derb klingen, trifft es aber auf den Punkt. Niemand will verlieren. Wir wollen Erfolg haben mit dem, was wir tun, Anerkennung bekommen, ja, wir wollen gewinnen. Das fängt schon in Kindertagen an, zum Beispiel beim „Mensch-ärgere-dich-nicht-Spielen“.
(Foto: http://www.t3n.de)

Wie soll man verstehen, dass man es völlig entspannt hinnehmen muss, wenn man nach einer kompletten Runde auf dem Spielbrett kurz vorm Einzug in sein Häuschen zum wiederholten Mal rausgeschmissen und an den Startpunkt zurückgeschickt wird, während andere das Glück haben, unbehelligt in ihr Häuschen durchzuziehen.

Alles gleicht sich irgendwann aus. Möchte man meinen. Und vielleicht ist das tatsächlich so. Aber im Moment des Scheiterns empfinden wir Minderwertigkeit und Frust. Klar, schon als Kinder müssen wir lernen, mit diesen starken negativen Gefühlen umzugehen, aber es ändert nichts an der Tatsache, dass Gewinnen viel geiler ist. Genau wie der Geiz. Warum der allerdings geil sein soll, habe ich bis heute nicht verstanden. Aber in der Werbung zieht es, denn viele Menschen wollen Schnäppchen machen. Sie wollen für ein gutes Angebot möglichst wenig Geld bezahlen, dann empfinden viele eine stille Genugtuung, vielleicht als Ausgleich dafür, dass sie sich vorher manches Mal über den Tisch gezogen fühlten. Dabei gibt es gar keine Schnäppchen. Und Geiz ist alles andere als geil. Sicherlich sollte man Geld nicht mit beiden Händen aus dem Fenster werfen und sorgsam damit umgehen, aber es gibt doch nichts Schöneres unter Menschen, als mitfühlend und großzügig zu sein. Geiz ist noch viel schlimmer als Sparsamkeit, denn Geiz impliziert, jemand anderem etwas, das man selbst hat, nicht zu gönnen.

Und gönnerhaft können wir nur dann sein, wenn wir frei sind von Neid. Jemandem etwas von Herzen zu gönnen heißt nicht: „Da nimm es, denn ich brauche es nicht“. Der Hintergrund des Satzes wird erst dann großmütig, wenn wir etwas auch gern gehabt hätten, aber darauf verzichten, weil es in den Händen einer anderen Person besser aufgehoben ist.

Etwas in die Hände gelegt zu bekommen, heißt aber auch, Verantwortung dafür zu übernehmen und sich darum zu kümmern, sonst verkommt es. Wenn man eine Blume nicht angemessen gießt und sie ihren Vorlieben entsprechend ans Licht oder eher an einen schattigeren Platz stellt, dann verkümmert sie. Momentan, das muss ich zugeben, fühle ich mich ein bisschen wie eine solche Blume. Ich kann mich nicht so entfalten wie ich es will. Vielleicht bin ich ja auch eine ziemlich ungeduldige Blume, wer weiß. Zwar sind Menschen um mich herum, die mich von Zeit zu Zeit pflegen, mir Wasser geben und mir gut zureden, aber ich weiß nicht so recht, wo ich Wurzeln schlagen soll. Immer wieder schieben sich dunkle Wolken vor die Sonne, die mir das Licht zum Wachsen nehmen. Dann lasse ich meine Blätter hängen und hoffe auf besseres Wetter…

…und ich weiß ganz genau: Nach jedem Winter kommt wieder ein Frühling 🙂

Elefant

Manchmal wäre es schon sehr fein
so groß und stark wie ein Elefant zu sein
Ich könnte Lasten auf meine Schultern nehmen
ungeachtet belastender Alltagsthemen
Ich hätte eine derart dicke Haut
die sich niemand zu verletzen traut
obendrein hätt’ ich einen behaltsamen Bauch
damit ich nichts mehr zu vergessen brauch’
und vielleicht würde ich ganz alt…

…doch irgendwas in mir sagt „Halt“
Was wäre denn umgekehrt
dieser Tausch im Grunde wert?
Vielleicht lägen Jäger im Hinterhalt
und ich lebte bloß so lange, bis es knallt
Was würd’ es mir nützen, ein Elefant zu sein
und Gewichte zu schleppen tagaus, tagein?
Mutig wär’ ich erst recht nicht, wie man sagt
wenn mir ‘ne winzige Maus riesige Angst einjagt

Dann bleib’ ich doch lieber so wie ich bin
und nehme meine Fehler und Schwächen hin
werde akzeptiert mit meinen Ecken und Kanten
und überlasse das Elefantsein den Elefanten

elefant Foto: Christoph Wilhelms

Sei anders…

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Bei einem Spaziergang habe ich vor einigen Tagen in einem nahegelegenen Wald eine interessante Entdeckung gemacht. Ich sah eine Buche inmitten eines Kiefernbestands, die nicht allzu hoch gewachsen, aber dafür mit einer imposanten und weit ausladenden Krone ausgestattet war. Dieser vergleichsweise junge Baum unter all den hoch und sehr geradlinig gewachsenen Kiefern beeindruckte mich. Er hatte es geschafft, sich in dieser Monokultur zu behaupten und anders als all die anderen zu sein. Er war sich und seiner Wuchsart treu geblieben, hatte sogar schon in jungen Jahren eine solch breite Krone entwickelt, wie ich es selten bei einer Buche gesehen habe.

Ich fragte mich, warum ein solch unscheinbarer Baum dazu in der Lage war, mich so zu beeindrucken und ob ich mir an ihm nicht ein Beispiel nehmen sollte. Meine Überlegung ging sogar noch weiter. Warum nahmen sich nicht viel mehr Menschen daran ein Beispiel? Häufig passen wir uns an, laufen mit der Masse mit und haben keine eigene Meinung, die wir mit Respekt vor anderen Meinungen vertreten. Ich bitte darum, mich nicht falsch zu verstehen. Es geht mir nicht darum, ständig GEGEN alles Mögliche zu sein. Es geht mir darum, auch mal den Mut zu haben, ANDERS zu sein.

Diese Buche machte es mir vor. Sie ließ sich von den mächtigen Kiefern in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft nicht in die Knie zwingen, breitete ihre Äste sogar zwischen ihnen aus, als wolle sie ein Zeichen setzen, dass es möglich ist, auch mit völlig unterschiedlichen Lebensentwürfen friedlich miteinander zu existieren. Das ist es, dachte ich in diesem Moment: Sei anders!

Dann jedoch begann ich zu zweifeln. Vielleicht hatte diese Buche an ihrem Standort gar keine Chance, groß zu werden. Vielleicht war die breit ausladende Krone nur aus reiner Verzweiflung entstanden, von überall her wenigstens ein bisschen Licht zu bekommen. Plötzlich tat mir diese Buche leid. Vielleicht kämpfte sie vergeblich und sie würde irgendwann zwischen all den geraden Kiefernstämmen verkümmern. Mit leicht hängendem Kopf ging ich weiter, doch wenig später wurde ich eines Besseren belehrt, denn wiederum zwischen ganz vielen Kiefern sah ich eine andere, wesentlich ältere Buche und die musste ich ebenfalls fotografieren, denn ihr Wuchs war nicht weniger beeindruckend.

img_20170119_142030Diese Buche hatte aus einer mächtigen Wurzel mehrere Stämme entwickelt, die sich in alle Richtungen verzweigten und gen Himmel strebten. Sie hatte es geschafft, sich gegen die schiere Übermacht der immer noch sehr geradlinigen Kiefern in ihrer Umgebung zu behaupten und es sah nach einem sehr friedlichen Nebeneinander aus. Diese Buche war nun aber gar nicht mehr unscheinbar. Sie gab sich deutlich zu erkennen. Zwar fehlte ihr ein einzelner, massiver Stamm und es wirkte, als wachse ihre Krone direkt aus dem Boden, doch damit stand sie für den Gegenentwurf zum Angepasstsein. Sie war ganz und gar nicht geradlinig. Dieser Baum wirkte verspielt und gleichzeitig selbstbewusst, nicht dominant, aber auch keineswegs unterwürfig. Er war ein wichtiger Teil der Gemeinschaft und brachte dies klar zum Ausdruck.

Fast wollte ich sagen: Von diesem Baum könnten wir uns als Menschen mal eine Scheibe abschneiden, aber das sollten wir dann doch besser nicht tun, denn wir würden ihn damit zerstören. Für’s Erste würde es reichen, unser Verhalten zu ändern: trotz schlechter Stimmung in großen Teilen der Gesellschaft optimistisch zu bleiben, unsere Grundhaltung anderen gegenüber zu überdenken und nicht opportunistisch einer Strömung zu folgen.

Wir sollten mehr Buchen in Kiefernwäldern suchen.

Das Zitronen-Lied

dreamstime_com-robert-florianIn den Weihnachtsferien habe ich zusammen mit meinem Sohn Lucas in einer albernen Stimmung – aber auch einem höchst kreativen Moment – den folgenden neuen Text zum Song “Keine Maschine” von Tim Bendzko geschrieben. Das hoffentlich zum Schmunzeln anregende Ergebnis (mit Gitarrengriffen) soll ein Plädoyer dafür sein, (auch mal) sauer sein zu dürfen…

Abb.: Robert Florian, dreamstime.com

Um etwas mehr Abwechslung in den Refrain zu bringen, kann die erste Zeile gern variiert werden, z.B. “Ich bin keine Mandarine” oder “Ich bin keine Clementine”…

Keine Apfelsine

Em                          D              C – D
Einfach so rumliegen ist keine Option

Em                                                      D                                   C
ich will gegessen werden, doch ich bin sauer, das weiß ich schon

C                                                           D                                            Em – G
ich will hier nicht einfach vergammeln, man muss mich wenigstens probier’n

C
ich bräuchte etwas mehr Süße

D                                         Em
doch das wird nicht funktionier’n

Refrain:

Em
Ich bin keine Apfelsine

D                                     C
ich bin gelb und nicht orange

Em                        D                                 C
und ich bin saftig, wenn man mich zermanscht

G                                               D
Ich bin eine Frucht mit viel Vitaminen (2. Strophe: …mit ziemlich viel Säure)

Em                      C
mit Kernen oder nicht

G
wer meinen Saft trinkt

D                                     C
verzieht glücklich das Gesicht

(Gitarrengriffe wie oben)

Man kann doch so viel schöne Dinge aus mir machen
süß-saure Soßen, Cocktails und viele andere Sachen
ich lieg hier rum und kann mich nicht bewegen
setz’ langsam Schimmel an, beginn’ mich vor mir selbst zu ekeln

(Refrain s. oben)

…verzieht glücklich das G e s i c h t
‘was Bess’res gibt es n i c h t
du fühlst dich total erfrischt
du fühlst dich total erfrischt

(Schluss: Em – D- C – G)